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Tennisschool Bryan
Vaughn Bryan
DTB A-Trainer

Ostring 11
59065 Hamm

Tel.: +49 (0)173 2110938


   

Coaches Corner

Helden

Ich werde oft gefragt, “Wer ist dein Lieblings Tennisspieler?”
Mein Antwort bringt immer einen etwas fragenden Blick mit sich. “Lieblingsspieler“ ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für ihm - er ist eher mein Held.

Was hat er geschafft? Er war nie Nummer 1, war nichtmal in den Top 5. Fast alle mussten nachfragen - “wer ist das denn?”. Jürgen Melzer.

Was hat er so besonderes gemacht? Er hat in einem spontanen Moment, in dem es überhaupt nicht nötig oder erwartet gewesen wäre, einen Akt von Güte und Menschenliebe gezeigt.

Ein Persönlicher Hero ist oft ein “ganz normaler Mensch”.
Als ich jünger war, habe ich auch einen Helden gehabt, obwohl es mir eigentlich gar nicht bewusst war.
Ich erinnere mich daran, wie meine Brüder gelacht haben, als ich angefangen habe zu weinen als ich gehört habe, dass Jay Delui verloren hat. Es war mir sehr peinlich, wir sassen zu acht in eine Mexikanische Restaurant in San Antonio. Es war an einem langen heissen texanische Sommertag während den Jugendmeisterschaften passiert. Ich hatte überraschend verloren in dem Viertelfinale der U14er. Ich hatte es alles gut verkraftet; es kann passieren usw. usw...
Aber, als beim Essen jemand sagte, dass beim U18 Delui ausgeflogen ist, bin ich einfach zusammengebrochen. Wer war er?
Eigentlich niemand aus unserer Sicht. Ein sehr guter Spieler aus Dallas. Sonst nichts. Und weil er älter war als wir alle, war er noch unpersönlicher. Daher die völlige Verwunderung und die amüsierten Gesichter von meinen drei Brüdern. Was wir aber nicht wussten war, dass Jay Delui mein persönlicher Held war.
Als ich mit 11 völlig allein in dem Stadium von Corpus Christi sass, nach wieder einer gewaltigen Niederlage, stand er vor mir. Er, die Nr 1 in Texas und 4 Jahre älter als ich, klopft mir sanft auf den Rücken und sagt, “Great try Vaughn. Don’t worry about it, you’ve got a lot of guts”. I war sprachlos! Das er überhaupt meinen Namen kannte..Völlig unerwartet und selbstlos ist er zu mir gekommen und hat mich getröstet. Ich denke, dass meine Tränen 3 Jahre später, obwohl unverständliche für alle anderen, gerechtfertigt waren.

Aber, jetzt zurück zu meinen Lieblingsspieler: Jürgen Melzer aus Österreich.
Warum?
In 2007 bin ich mit einer Gruppe von Kinder aus der Matmos Pandes Schule in Bethel zu den Gerry Weber Open gefahren. Die Lehrerin und ich haben diesen Kindern seit ein paar Monaten versucht Tennis beizubringen. Es war der erste Tag des Turniers, Montag Vormittag. Auf einem neben Platz haben sie einen Court aufgebaut mit einem Gewinnspiel für Jugendliche. Ein Trainer hat jedem 3 Bälle zugespielt. Wenn die Kinder ein Handtuch, Tasche, Seiten-packet und andere dinge auf dem gegenüber liegendem Feld getroffen haben, durften sie es mitnehmen. Als langsam unsere 6 Kinder an die Reihe kamen, haben sie den Trainer ausgetauscht. Statt des Trainers kommt ein Spieler, frisch aus der Dusche, mit wesentlich wichtigeren Dingen im Kopf als dort der zu Spieler zu sein.
Nach einer kurzen Regelerklärung, schaute er rüber zu der Schlange, die als Nächstes auf den Platz kommen sollte.
Unser erster lief raus auf die T-Linie. Nach dem ersten verfehlten Schlag, entschuldigte sich Melzer, “Sorry, mein Fehler”. Aber nach dem 2. Misserfolg blickt er kurz rüber zu mir. Ich habe grinsend genickt, er nickt zurück und auf einmal war er nicht mehr der Profi, der diese Sache machen muss. Seine Körperhaltung, seine Augen, alles war plötzlich lebendig. Sein Zuspiel kam mit viel mehr Aufmerksamkeit, seine Energie war enorm. Egal wie lange es gedauert hat, er hat jedem so lang zugespielt bis sie endlich etwas getroffen haben. Egal was es war; Handtuch oder Tennisdose, sie haben alle eine riesige Schlägertasche bekommen! Bei unserem letzten Spieler hat es etwas länger gedauert. Andere wartende Kinder haben gerufen, dass es nur 3 Versuche geben darf usw..Melzer hat immer so getan, als ob er nichts versteht. Als der 10. Ball doch über Netz geflogen ist, schreit er “Treffer!”, schnappt sich die letzte riesige Tasche und gibt sie dem Jungen. Als wir fertig waren schaut er nochmals über zu mir, er hat gestrahlt.

Als wir weggelaufen sind, fragt mich eines der Kinder,
“Ist er wirklich ein Profi?”
“Ja, ja, er ist richtig gut.”
“Das ist komisch, er kann gar nicht so gut sehen. Ich habe die Tasche gar nicht getroffen!”

An einem für ihn sehr stressvollen Tag, bei einer extrem lästigen Arbeit, hat Jürgen Melzer so ein Mitgefühl und Liebe für diese Kinder gezeigt.